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#askacurator: mitmachen oder nicht? Überlegungen aus Museumssicht

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22 Museen in Deutschland beteiligten sich am #askacurator-Tag am 19.9.2012. Unter dem Motto „Was Du schon immer wissen wolltest…“ konnte das twitter-Publikum eine Frage mit dem Hashtag „#askacurator“ an eines der beteiligten Museen senden und mit einer schnellen und kompetenten Antwort rechnen. Welchen Sinn macht das für ein Museum?


Offenheit zeigen
Sicherlich kann das Museum damit seine Präsenz und seine Offenheit gegenüber den social media-Nutzern zeigen. Kuratoren und Kuratorinnen einzubinden, die tatsächlich bis 18 Uhr oder länger für Fragen zur Verfügung stehen, kann leicht oder schwer fallen, je nach Institution und Persönlichkeiten. Jedenfalls wird dieser Tag auch innerhalb der Institution die Bedeutung von social media ins Blickfeld rücken, was ja schonmal begrüßenswert ist.
Follower gewinnen
Ein #askacuratortag kann natürlich neue Nutzer generieren, ist zugleich aber auch das beste Beispiel dafür, dass es bei social media nicht nur auf die Nutzeranzahl, sondern auf die Qualität und Intensität des Austausches ankommt. Wer sagt eigentlich, dass twitter als Marketing-Instrument gesehen werden muss? Mit der gleichen Berechtigung kann ich es als Medium zur Bildung sehen – im Idealfall „verkaufe“ ich damit die message, dass Bildung Spaß machen kann, und erfülle so eine der Kernaufgaben des Museums.
Der Vergänglichkeit trotzen
Twitter gilt ja als klassisches push-Medium, d.h. man rechnet damit, dass eine dort abgesetze Nachricht in kurzer Zeit aus dem Aufmerksamkeitsfeld verschwindet. Dem kann das Museum aus dem Weg gehen, indem es die tweets des Tages archiviert und auf der eigenen website oder im eigenen blog zur Verfügung hält.
Von #askacurator zur FAQ-Liste
Warum nicht sich von #askacurator anregen lassen und eine „FAQ“-Liste mit häufigen Fragen an die eigene website/ blog andocken? Oder die vorhandene mit den #askacurator-Fragen ergänzen? An Theatern in Großbritannien, aber auch im Rheinland gibt es eine Art Knigge für junge Erstbesucher, der auf unterhaltsame Art die Verhaltensregeln erklärt und Unsicherheiten abbauen will. Eine FAQ-Liste kann für Museumsneulinge und Schulklassen eine ähnliche Funktion erfüllen und dazu beitragen, Hemmschwellen zu überwinden.
Nach innen blicken
Das Kassenpersonal, die Aufsichten und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im eigenen Haus ergänzen eine solche FAQ- Liste bestimmt gern. Sie sind diejenigen, die täglich mit den simplen und den komplizierten Fragen des Publikums zu tun haben. Damit hat man auch gleich ein tool geschaffen, mit dem man nicht nur das Interesse an den Fragen der Besucher und Besucherinnen ausdrücken kann, sondern auch das Wissen der eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anerkennt und aktiviert. Übrigens ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass auch das eigene  Team am #askacuratortag Fragen an die Kuratorinnen und Kuratoren hat!
Eigenes Interesse zeigen
Mir hat es gefallen, dass das Lehmbruck Museum Duisburg das Museum of Modern Art in den New York gefragt hat, ob eine bestimmte dort vorhandene Lehmbruck-Skulptur derzeit ausgestellt ist. Als Leserin nehme ich da einen gewissen Stolz auf den „eigenen Künstler“ wahr, eine Identifikation mit dem eigenen „Produkt“. Genau diese Strategie wird in der Warenwelt bewusst als Werbung eingesetzt, vom Seitenbacher Müsli bis hin zu Bärenmarke.  Im Gegensatz dazu wirkt das hier echt und authentisch, man erhascht ein wenig davon, was den „Kurator“ als „Dingpfleger“ bewegt.
… und die Risiken?
Am dem #askacuratortag haben 22 Museen in Deutschland teilgenommen. Es sind je nach Institution mehr oder weniger Fragen eingegangen. Leider sind nicht alle beantwortet worden, was mir ein ziemliches Rätsel ist, auch wenn das in anderen Branchen auch generell üblich zu sein scheint. So ist bei Social Bakers zu lesen, dass auf Unternehmensseiten z.B. aus der Automobilbranche 70% aller Nutzerfragen unbeantwortet bleiben. Dennoch ist das in meiner Sicht ein absolutes nogo bei einem twittertag.
Mich persönlich würde es furchtbar enttäuschen, wenn ich eine so liebevolle Seite einrichten und eine so schnuckelige Idee haben würde wie Tine Nowak und Annabelle Hornung von der DIY-Ausstellung (derzeit in Dortmund im Aufbau), die ihre Antworten als Audiodateien ins Netz gestellt haben, und dann nur wenige Fragen erhalte, von denen ein Teil dann womöglich noch von Leuten kommt, die ich sowieso schon als Freunde oder im persönlichen „Nahradius“ habe. Die Anzahl der Fragen scheint jedenfalls nicht mit der Qualität des Auftritt in Zusammenhang zu stehen, denn die ist bei den DIY’s meiner Meinung nach sehr hoch.
Wieso so geringe Nachfrage?
Als ich selbst das letzte Mal der Situation ausgesetzt war, an professionell Kulturschaffende Fragen stellen zu sollen, war das im Theater Dortmund nach der Aufführung von Naked Lenz:  fantastisches Stück, krasse Performance, völlig durchgeschwitze Schauspieler, und mir fiel keine einzige Frage ein. Ich denke, dass man schon relativ nahe am Geschehen oder sogar vom Fach sein muss, um das Gefühl zu haben, sinnvoll fragen zu können. Aus Situationen mit Jugendlichen weiß ich, dass meist zuerst das Interesse an der Person da ist, und erst später Inhalte des Berufs nachgefragt werden. Warum bist Du Kuratorin geworden, was interessiert Dich daran persönlich, wie gefällt Dir Dein Beruf und was ist daran doof, diese Fragen  werden gestellt, wenn man nicht befürchten muss, sich zu blamieren oder jemanden damit zu nahe zu treten. Diese Art Fragen wurden auch beim #askacuratortag gestellt, was ich prinzipiell ein gutes Zeichen finde. Am anderen Ende des Spektrums gab es eher fachliche Fragen aus dem Marketing-Bereich, warum dieses Logo, wieso jenes Markenzeichen, welche Rolle spielt social media für Euch, wieso seid ihr in dieser Stadt und nicht woanders,  etc. Das bisherige Interesse scheint sich auf „human interest“ und auf social-media / Marketing / Berufs-Fachfragen zu konzentrieren. Relativ wenig Fragen wurden zu einzelnen Exponaten oder Veranstaltungen gestellt.
Was kann ich also tun?
Genauso, wie man im und am Museumsgebäude erkennen sollte, dass dieses bei facebook vertreten ist, ist es sinnvoll, vorab per newsletter und vor allem bei Führungen und Kreativprogrammen im eigenen Haus auf das Angebot hinzuweisen. Zwei, drei kunstaffine Lehrerinnen und Lehrer anrufen und sie fragen, ob sie mit ihren Klassen Fragen entwickeln wollen. Den eigenen Förderverein informieren. Ein Schild in der Stadtbücherei aufstellen. Auf der eigenen Website im Vorfeld werben. Handzettel an die Kasse legen. Lokalmedien mit ins Boot holen. Den #askacuratortag bewerben und gezielt einsetzen, um die eigenen Zielgruppen ins Boot zu holen. Wer den Radius der eigenen Präsenz erhöht, kann vom #askacuratortag profitieren. Meiner Meinung nach macht eine Teilnahme am #askacuratortag nur so wirklich Sinn.


Ein Kommentar

  1. Pingback: Wenn man den Museumskurator alles fragen kann, dann… | MUSEUM & SOCIAL WEB

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